Einfach weg … – Es trifft mich völlig unvorbereitet.

Hund entlaufen - Was tun?Die Zeit dehnt sich in seltsamer Form – du siehst deinen Hund, wie er sich panisch windet um aus dem Halsband zu kommen das an der gespannten Leine fixiert ist. Lässt du locker, zieht der Hund weiter weg. Hältst du fest, erleichterst du das aus dem Halsband winden. Du kommst dir wie gelähmt vor und siehst das ganze in Zeitlupe. Dann der Moment, wo der Hund aus dem Halsband schlüpft und in Höchstgeschwindigkeit davon läuft. Hund entlaufen – was nun?

Ich weiss bis heute nicht, was Easy so in Angst und Schrecken versetzt hat. Élaine stand die ganze Zeit über ruhig an lockerer Leine neben mir. Ich wüsste nicht, was ich anders machen würde, wenn ich in die selbe Situation geraten würde. Was ich auf jeden Fall anders machen würde, ist so ziemlich alles, was ich in den kommenden 24 Stunden gemacht habe.

Völlig unvorbereitet auf diesen Worst Case

Heute weiss ich, dass ich nach 16 Jahren als Hundehalterin komplett unvorbereitet auf etwas war, was jedem jeden Moment passieren kann. Niemand steckt im Hund, niemand weiss, was ein Hund sieht und wie der Hund es interpretiert und darauf reagiert. Aus Halsbändern kann man sich rauswinden, Leinen können reissen, Karabiner können aufschlagen, Leinen können aus den Händen gleiten – 100%ige Sicherheit ist Illusion.

Im ersten Reflex lief ich mit Élaine die Strecke nach, die Easy gelaufen war. Der Vorteil an einem Tourismusort ist, dass es eine ganze Menge Menschen gibt, die mehr oder weniger vom Tempo der flüchtenden Hündin beeindruckt, in die Richtung wiesen, die Easy genommen hatte. Doch nach zwei Kilometern verlor sich die Spur und mein Vertrauen in Élaine war nicht gross genug, um ihr einfach weiter zu folgen. Zu unklar schien mir ihre Reaktion – folgte sie Easy oder las sie schon die „Hundezeitung“? Immerhin waren wir hier noch nie gewesen.

Auf der Suche nach Hilfe

Also zurück nach Hause und enge FreundInnen informieren, verzweifelt zusammensammeln, was man tun kann. Entscheiden, welchen Rat man annimmt und welcher Rat nicht passend scheint. Jeder Hund ist anders, jeder Mensch ist anders, nicht alles passt für jeden. Und glücklicherweise hatten noch die wenigsten der von mir kontaktierten Menschen persönliche Erfahrung mit einem entlaufenen Hund.

Facebook wollte ich nicht nutzen. Was brachte es, wenn jemand in Norddeutschland liesst, dass Easy abgehauen ist? Also setzte ich nur eine Botschaft in der Ortsgruppe auf Facebook ab. Was ich nicht bedacht habe, war, dass diese Meldung „nach draussen“ geteilt werden konnte. Und wurde! Innerhalb kürzester Zeit war der Beitrag fast 100x geteilt worden. Ich machte mir die Mühe, jeder Teilung nachzugehen. Es wurde aber auch in Gruppen geteilt, zu denen ich keinen Zugang hatte. Und dann entdeckte ich, dass ein Verein meine Nachricht so geteilt hatte, dass man wohl das Foto von Easy sah und die ersten Zeilen meines Textes, aber meine Telefonnummer war unsichtbar. Dafür prangte eine mir unbekannte Telefonnummer über dem Beitrag!

Helfen ohne Auftrag …

Ich schrieb eine Nachricht an „die Facebook Seite“ und erhielt keine Antwort. Ich rief die Telefonnummer an und landete auf einer Box. Toll! Sollte also jemand Easy sehen und diese Kontaktmöglichkeit nutzen, lief er ins Leere … Kurzentschlossen löschte ich den Originalbeitrag – das ist die einzige Möglichkeit, den verfälschten Beitrag ebenfalls zu löschen, wenn die Ersteller des Beitrags unerreichbar sind.

Irgendwann wurde ich zurückgerufen und man erklärte mir, dass man ja „nur helfen wolle und so grenzgenialtolle Reichweite hätte“. Auf meine Sicht der Dinge, dass ich keinen Wert darauf lege, dass man ungefragt eine fremde Telefonnummer über meinen Beitrag setzt, wollte sich das gegenüber nicht einlassen. Man würde ja so toll helfen mit der Reichweite. Erst auf mehrmaliges Nachfragen wurde mir gesagt, dass die Person „in der Nähe von Wien“ leben würde. Wenn es die Wahrheit war, dann macht es keinerlei Sinn, wenn jemand bei Wien, der den Hund nicht kennt, eine Sichtungsmeldung auf die Mailbox gesprochen bekommt …

Helfen um das eigene Ego zu streicheln

Das war aber nur die Spitze des Eisberges an sehr eigenartigen „Hilfsangeboten“. Etwas später wurde mir auch angeboten, Flugblätter von mir abzuholen um sie aufzuhängen und – verräterischer Nebensatz – bei der Gelegenheit werde man den Hund schon finden. Für mich klang das wie eine Drohung und da mir die Kraft für weitere Diskussionen fehlte, brach ich zu solchen Menschen kurzerhand den Kontakt ab.

Fortsetzung folgt …

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