Mount Cappucine’s Jamaïca

Mount Cappucine’s Jamaica * 12.4.2010 – † 15.6.2012 

2010 kam Jamaica zu uns und mein Bild vom Greyhound änderte sich massiv. Sie stapfte auf Riesenpfoten in unser Haus, als wäre sie nie wo anders gewesen. Dieser Welpe strotze nur so vor Selbstsicherheit. In ewiger Erinnerung wird mir bleiben, als ich sie auf der Terrasse festhielt, weil Harald den Rasenmäher gestartet hatte und ich verhindern wollte, dass sie – wie es Lilly machte – den Rasenmäher anbellte. Sie brummelte mich an, am ersten Tag den sie bei uns war. Ich staunte nicht schlecht, liess mich aber nicht beeindrucken. Dann fiepte sie und ich musste laut lachen. „Das ist die falsche Reihenfolge.“ rief ich aus.

Greyhound Jamaica

Einfach Jamaica.

Schnell wurde sie die beste Freundin von Lilly und ich hatte den Eindruck, dass Lilly ihre Welpenzeit mit Jamaica nachholte. Die beiden waren ein wunderbares Team, rannten bei jeder Gelegenheit um die Wette. Ich nannte Jamaica den Personal Trainer von Lilly und sie trug sicher einen guten Teil zu den sportlichen Erfolgen von Lilly bei.

Jamaica wirkte unzerstörbar. Wie die Irish Wolfhounds lief sie frei über Stock und Stein und ausser ein paar Kratzern die dem Glatthaar geschuldet waren, blieb sie dabei unverletzt. Jamaica war der erste Greyhound, den ich wirklich mochte. Manchesmal nannte ich sie Glatthaar-Irish, weil sie – ihre grossen Pfoten hatten es angekündigt – eine sehr grossrahmige Hündin wurde, die nicht viel niedriger war als Lilly. Immer noch hielt ich den Atem an, wenn sie losrannte, aber ich gewann die Sicherheit, dass sie ganz bleiben würde. Ich fing an, den Anblick eines frei laufenden Greyhounds zu geniessen.

Live fast, die young …

Im Juni 2012 machte ich mich mit Lilly auf den Weg nach Prag zum Decken. Harald war irgendwo unterwegs und Jamaica wollte mit uns mit fahren. Ich weiss heute noch, wie ich sie an der Tür sanft zurückschob und ihr sagte, dass sie da bleiben müsse. Wenn ich geahnt hätte, dass ich sie in diesem Moment das letztemal sah, hätte ich sie wohl mitgenommen … Geplant war, dass wir uns in Prag auf der Rennbahn treffen und ich Jamaica dort bei einen Trainingslauf sehen könne. Am Trainingstag bekam ich den Anruf, dass Jamaica „verschwunden sei“, da dachte ich noch, sie sei vielleicht aus dem Garten entkommen. Etwa eine Stunde später erfuhr ich, dass sie tot sei.

Als ich aus Prag zurückkam, hatte Harald sie schon im Garten vergraben. Lilly lief zielstrebig zu der Stelle, als wir heimkamen. Ich hoffte zu dem Zeitpunkt noch, dass wir beide uns von Jamaica verabschieden würden können.

Diese Junitage waren sehr warm und von drückender Schwüle. Harald erzählte mir, dass er etwa eine Stunde mit Jamaica im Wald spazieren gewesen sei. Die Strecke hat einige Höhenmeter. Gegen Ende der geplanten Runde traf er jemanden mit Hund und da Jamaica ihm so leid getan hätte, weil sie die zwei Tage alleine gewesen sei, hätte er sie mit dem Hund spielen lassen. Dabei hätten die Hunde ein Reh aufgestöbert. Der andere Hund sei kurze Zeit später zurückgekommen. Jamaica hat er über eine Stunde später neben dem erlegten Reh tot liegend gefunden.

Ich habe ihm nie Vorwürfe gemacht, für mich war es eine Kurzschlusshandlung, einen Greyhound nach über einer Stunde Spaziergang bei drückenden Temperaturen an einer Stelle am Waldrand loszulassen, wo er wusste, dass Rehe stehen können. Dass er innerhalb von 6 Wochen beide Hunde verloren hatte, war traumatisch genug.

An diesem 15. Juni 2012 ist wohl mehr kaputt gegangen, nicht alles war sofort sichtbar. Lilly war plötzlich Einzelhund, blieb – für mich wenig überraschend – leer. Sie wurde wenige Monate später, als wir gerade wieder drei Hunde hatten, krank. Wirklich gespielt hat Lilly mit keinem der beiden neuen Hunde mehr so, wie mit Jamaica. Auch Harald veränderte sich, zog sich immer mehr zurück. Jamaicas Grab blieb ungepflegt, verschwand auch schon mal unter Strauchschnitt oder Holzstapel. Haralds Art mit Louise und später mit Onyx umzugehen, konnte ich immer weniger mit tragen. Da Kritik ganz schlecht ankam, zog ich es bald vor, zu schweigen.

In diesem Sommer hörte ich im Autoradio sehr oft „Bad Girls“ von M.I.A.

Live fast, die young – young girls do it well …

Irgendwie wurde dieses Lied zu meinem Song für Jamaica und ich habe bis heute Tränen in den Augen, wenn ich das Lied höre. Oder an Jamaica denke …

Greyhound on the track

 Am 5. Todestag von Jamaica wohnte ich mit Élaine getrennt von Harald und „den Schwarzen“.

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