Marienbad 2009 - Coursing EM
Das Ziel für 2009 mit Lilly war die EM-Teilnahme und dabei ein Platz in der ersten Hälfte des Teilnehmerinnenfeldes. Den ursprünglichen Plan, vor Ort zu zelten, liessen wir sehr kurzfristig aufgrund von Wettermeldungen fallen. Mit Tagwache um 2 Uhr morgens - machten wir uns also bei meine Eltern an der tschechischen Grenze auf den Weg nach Marienbad, wo wir nach einer ruhigen Fahrt um 6 Uhr morgens eintrafen.Vorbereitung
Unser Tagesplatz im Camp.An der Zufahrt zum Coursinggelände trafen wir auf das of Northern Forest-Team, welches mit Margit und Ute eintraf. Auch sie hatten sich entschieden, einen "Tagesausflug" zu machen. Nachdem wir uns einen Parkplatz im Österreich-Camp gesucht hatten, brachten wir zu allererst Lilly zum Tierarzt-Check. Danach Begrüssung der Irish-Leute und warten auf die Renneinteilung. Üblicherweise starten die Wolfhounds als erste Rasse. Wegen der grossen Meldezahl von insgesamt über 600 Hunden hatten sich die Organisatoren entschieden, drei Parcours aufzubauen. Deutschland und Österreich unterstützte Tschechien mit Technik und Personal, sonst wäre eine Veranstaltung dieser Grössenordnung nicht mehr durchführbar. Diese Tendenz wird sich wohl fortsetzen und es werden echte Europameisterschaften. 19 Nationen schickten Teams!
Der 1. Durchgang
Lilly beim 'Kill'Lilly hatte Losglück für den ersten Durchgang. Sie bekam mit Lorna von Schwattenhof eine routinierte, mehrfache EM-Teilnehmerin an ihre Seite und den letzten von acht Hündinnenläufen. Lilly - unter rot - startete gut und lag sehr schnell vor Lorna. Der Starter wandte sich mit den Worten "Die macht ja Druck!" an mich. Leider war der Parcours so angelegt, dass ich weite Teile des Rennens nicht sehen konnte. Erst Lilly's energischen "Kill" konnte ich wieder sehen, ich holte einen sehr glücklichen Hund ab und wir trabten uns mal das Adrenalin aus dem Körper. Gut gelaufen, nix passiert. Von den anderen Läufen bekam ich so gut wie gar nichts mit. Im ersten Lauf kam es wohl zu einem Fehler beim Hasenzieher, der Kaya "ausschaltete". Sie bekam mit ihrer Mitläuferin ein n.d.. Schade! Kaya war sicher auch Mitfavoritin.
Wir wussten, jetzt haben wir jede Menge Zeit. Also zurück ins Camp, ausruhen und warten. Irgendwann gegen Mittag wurden die Ergebnisse ausgehängt. Flower lag tatsächlich mit grossem Punktevorsprung an erster Stelle. Und gleich an zweiter Stelle - Lilly! Wir gratulierten Gabi und alberten herum, dass es jetzt schon inflationär wäre, Flower und Lilly gemeinsam laufen zu sehen. In Lilly's drittem Bewerb lief sie nun das dritte Mal mit Flower. Wir wussten, die beiden gemeinsam laufen zu sehen ist einfach nur schön. Und wir wussten auch, dass Flower zur Zeit unschlagbar ist. Die Siegerdecke für Flower war zum greifen nahe und ein Stockerlplatz für Lilly realistisch. Die Hündinnen von Platz 2 bis 4 lagen sehr knapp zusammen, es würde also noch spannend werden.
Baruch
Baruch kurz vor dem Ziel.Zweiter Durchgang, die Spannung steigt.
Irish Moonwalk - Lilly vor, ich zurück.Flower und Lilly bekommen den dritten Lauf zugeteilt, man hatte sich entschieden, die Läufe nicht nach Leistung aus dem ersten Durchgang zu reihen, sondern zu mischen. Für 13:30 Uhr angekündigt verzögerte sich der Start, weil die Richter noch keine Bewertungsbögen hatten. So etwas ist immer unangenehm, da der aufgewärmte Hund wieder abkühlt und man nicht weiss, wann es wirklich los geht. Wir stellten uns also in den Schatten und versuchten, ruhig zu bleiben.
Der Parcours wurde uns bereits als Herausforderung an die Kondition geschildert. Zweimal lange bergauf. Davor hatten wir keine Angst, Lilly war gut trainiert und ihre Ausdauer wurde auch schon im ersten Durchgang gelobt. Dass ein Richter dafür nur 16 Punkte übrig hatte, wurde beschmunzelt. Was wir auch bereits wissen, ist, dass Flower sehr schwer zum Start zu dirigieren ist und Gabi heftig arbeiten muss. So versuchte ich also, Lilly nicht zu zügig zum Start zu bringen, um dann dort nicht warten zu müssen. Wir haben ein eigenes System entwickelt: Lilly hat ein Brustgeschirr und ein Halsband. Läuft sie vorwärts, "hängt" sie im Geschirr und kann weiter frei atmen. Das Halsband dient nur dazu, eventuelle Rückwärtsbewegungen abzufangen. So kommen wir jetzt sehr zügig an den Start. Ich darf nur nicht das Gleichgewicht verlieren.
Ebenfalls schon gewohnt, laufen Flower und Lilly nach zwei Galoppsprüngen Schulter an Schulter, da sie beide den direkten Weg zum Hasen suchen. Danach ist Flower vorne und Lilly gibt ihr bestes, um das Tempo mit zu halten. Diesmal ist der gesamte Parcours einsehbar - abgesehen von einer Baumgruppe, die wir anfangs noch vernachlässigen. Nicht nur Gabi und ich sind fasziniert von dem Schauspiel. Die beiden Hündinnen laufen, als wäre es eine gerade. Die Steigung scheint sie nicht im geringsten zu beeindrucken. Und dann der Schock: Gabi und ich sind schon am Weg zum Ziel, als der Hase um die Baumgruppe schiesst, liegenbleibt - und die Hunde nicht folgen! Entsetzt starre ich auf die Baumgruppe, die mir den Blick verstellt. Ich darf nicht auf's Feld laufen. Dann schiesst eine Hündin links und eine rechts hinter der Baumgruppe quer auf's Feld - Hase verloren. Aus der Traum von der Platzierung? Hoffentlich bekommen wir unsere Hunde heil vom Feld. Gebannt starre ich nur mehr auf Flower und Lilly die unermüdlich kreuzend das Feld absuchen, um den versteckten Hasen aufzuscheuchen. Doch der Hase liegt "tot" am Boden.
Mir kommt die Zeit ewig vor, die die beiden hin und her laufen und nicht aufgeben wollen. Irgendwo muss doch "Hasi" sein?! So manche anderen Hunde hätten wohl aufgegeben - nicht so unsere beiden. Ich weiss nicht, wie es Gabi geht, ich kann es nur ahnen. Ich starre weiter auf die beiden suchenden Hündinnen. Dann - endlich! - lupft der Hasenzieher im richtigen Moment los, Flower sieht es als erste, stürmt hin, und während sie den "Kill" macht, folgt ihr Lilly um sich ebenfalls auf's "Hasi" zu werfen.
Die gesamte Spannung fällt ab. Lilly hat ihr Ziel erreicht, sie ist gesund, nun aber wirklich das erstemal nach einem Durchgang leicht erschöpft. Ich hole sie ab und gehe mit ihr traben. Wir haben unsere beiden Läufe absolviert, jetzt beginnt das Warten auf die Siegerehrung. Mit einer Richterin, die an dem Tag nicht richtet, besprechen wir die Situation. Wie würde so ein Lauf bewertet werden? Wie würde sie es bewerten? Von besonders gut für besonders viel Ausdauer bis "o-je" ist wohl alles drin. Spannend, das zu diskutieren. Coursing ist eben ein Sport, in dem es kein klares, eindeutiges Ergebnis gibt. Es ist Interpretation der RichterInnen.
Jojo und Baruch
Baruch (rot) im 2. Durchgang mit 'Jojo'Siegerehrung
Am Stockerl.Wie schon erwähnt - war es für uns völlig offen, ob Flower die begehrte Siegerdecke holen konnte, oder nicht. Wie würden die Richter diesen Lauf bewertet haben? Die Spannung stieg. Die Irish Wolfhounds aus Österreich scharten sich zusammen, bereiteten sich auf den Weg zum Podest genauso vor, wie auf Applaudieren für die anderen. Auf Platz 6 - Lorna, die Partnerin Lilly's im ersten Lauf. Applaus! Platz 5 - Belis, eine tschechische Hündin. Applaus! Platz 4 - Österreich - APPLAUS! - ... of Northern Forest. Das Österreich-Team tobt und Ute ist verzweifelt. WELCHE HÜNDIN DENN? - Faible. Gut. Ute und Faible traben zum Podest. Ich höre gerade noch "Liliane Stribrny Potok". Lilly ist dritte! Jetzt wissen wir - Flower hat es geschafft! Phantastisch.
Ich habe in Hünstetten gelernt, dass man auch "Stockerl" trainieren muss. Also habe ich die Tasche voller Leckerli und diesmal trabt Lilly brav mit mir nach vorne, hüpft nach dem zweiten Leckerli auf das Podest und bleibt oben. Ich höre gerade noch, dass Roshee uns überholen konnte. Auch die beiden kommen heute gut auf's Stockerl. Beritt wählt die Variante "wo ich hinspringe, springt auch mein Hund hin". Wir sind bereit, zuzusehen, wie Gabi Flower auf das doch beachtlich hohe Podest bringt. Bei den Rassen vor uns wurden die Hunde kurzerhand von ihren BesitzerInnen auf das Podest gehoben. Aber bei einem Irish geht das nicht alleine. Auch wenn es keine Showbrummer sind. Doch es sind genug helfende Hände da, und schliesslich steht Flower am Podest und bekommt ihre wohlverdiente Siegerdecke.
Was für ein schöner Erfolg! Die österreichische Coursing-Szene hat ein deutliches Zeichen gesetzt! Es ist dies fraglos ein sehr, sehr, sehr grosses Verdienst des FCW und des Teams um Eva. Die haben in den vergangenen drei Jahren in unermüdlicher Arbeit Coursing in Österreich etabliert. Der Parcours am Spitzerberg ist phantastisch und ermöglichte perfekte Vorbereitung auf diese EM. Es sollten noch vier weitere EM-Titel und viele Platzierungen folgen. Es bleibt zu wünschen, dass auch von den etwas stureren Köpfen hierzulande Coursing endlich als das anerkannt und respektiert wird, was es ist: Ein ernst zu nehmender Windhundesport und eine eigenständige Alternative zum Bahnsport.
Besondes stolz sind wir auf Lilly, die mit konsequentem Training in ihrem erst dritten Bewerb bei wirklich starker Konkurrenz und auf anspruchsvollen Parcours den phantastischen dritten Platz erreicht hat. Sie hat das Ziel, in der ersten Hälfte des Feldes zu beenden auf die erste Hälfte der Platzierungen erhöht. Tolle Maus! Hast du sehr gut gemacht!
FCWPhotos
Hier ist unsere Photoausbeute vom Samstag in Marienbad.
Photoalbum Marienbad 2009
Die Bewertung im Detail:
| S | E | I | G | K | ZS | S | E | I | G | K | ZS | S | E | I | G | K | ZS | Ges. | % | Endergebnis |
| 19 | 18 | 18 | 17 | 20 | 92 | 18 | 17 | 17 | 16 | 16 | 84 | 18 | 17 | 17 | 17 | 18 | 87 | 263 | 87,6 | 522 Punkte |
| 18 | 17 | 18 | 18 | 18 | 89 | 18 | 18 | 17 | 15 | 17 | 85 | 18 | 17 | 17 | 16 | 17 | 85 | 259 | 86,3 | 87% |
S=Schnelligkeit, E=Eifer, I=Intelligenz, G=Gewandtheit, K=Kondition
Im ersten Durchgang wurde nur dreimal die Höchstnote 20 vergeben. Zweimal an Flower (für Geschwindigkeit und Kondition), die EM-Siegerin, einmal an Lilly für Kondition. Im zweiten Durchgang gab es noch einmal die Höchstnote 20, für Faible (Gewandtheit).
