Kurze Läufigkeiten & Zyklen
Lilly hatte von Anfang an kurze Läufigkeiten und kurze Zyklen. Es war mir im Vergleich zu Enya aufgefallen und meine Gespräche mit anderen ZüchterInnen zu dem Thema endeten meist mit dem lapidaren Satz: Jede Hündin ist anders, es gibt halt eine grosse Bandbreite. Solange der Zyklus nicht unter 4 Monate fällt, ist alles im grünen Bereich.Exakte Aufzeichnungen.
Da mit Lilly Zucht immer ein Thema war, habe ich die Läufigkeiten von der ersten an immer genau dokumentiert. Sie passte sich sehr rasch an Enya an, dachte ich zumindest damals. Denn dass der Zyklus im Alter kürzer werden könne, das sei auch normal, wurde mir sogar von tiermedizinischer Seite erklärt. Wenn ich die Aufzeichnungen heute betrachte, denke ich eher, dass Enya sich an Lilly angepasst hat …
- 29. juni - 11. juli 2008 (13 tage)
- 25. oktober - 6. november 2008 (13 tage/105 tage)
- 20. märz - 2. april 2009 (13 tage/133 tage)
- 7. september - 16. september 2009 (9 tage/157 tage)
- 20. februar - 1. märz 2010 (10 Tage/156 tage)
- 10. - 22. august 2010 (13 tage/161 tage)
- 30. jänner - 11. februar 2011 (13 tage/160 tage)
- 20. juli 2011 - 5. august 2011(17 tage/158 tage)
- 4. - 16. jänner 2012 (13 tage/181 tage) - resorbiert
- 4. - 22. juni 2012 (19 tage/139 tage)
- 16. - 29. november 2012 (14 tage/146 tage)
Mit grün markiert sind jene Läufigkeiten, in denen wir zum Decken waren, in rot ist markiert, als Lilly nachweislich aufgenommen und resorbiert hat. Bei den ersten Versuchen wurde ausser Relaxin-Test zur Trächtigkeitsdiagnose und einmal Deckzeitbestimmung mit Progesteronfarbtest nichts gemacht. Die letzten beiden Deckungen wurden hingegen sehr genau dokumentiert, da wir uns da in die Betreuung der vetmed Wien begeben haben.
Das einzigemal, wo Lilly nachweislich aufgenommen, danach aber resorbiert hat, war die Läufigkeit nach dem bislang längstem Zyklus mit 181 Tagen.
Die „passende“ Studie zum Thema.
Da mir die kurzen Zyklen und Läufigkeiten immer schon suspekt waren hab ich zu diesem Thema immer wieder mal recherchiert und vor kurzem ist mir tatächlich eine Studie in die Hände gefallen, die dazu passt: An der Uni Berlin hat Friederike Stricker 2008 eine Dissertation vorgelegt, die sich mit verkürztem Zyklus (4 Monate +/- 1 Monat) und kurzer Läufigkeit (bis 14 Tage) und damit verbundener verringerter Fruchtbarkeit bzw. erhöhter Gefahr der Resorption bei Hündinnen auseinandersetzt.
Beim Zyklus ist Lilly definitiv am oberen Ende (4 + 1,5 Monate), mit der kurzen Läufigkeit (meist um die 13 Tage) passt sie aber gut in das Schema. Das Bild, dass sie schwer/nicht aufnimmt und wenn doch, dann resorbiert, passt ebenfalls dazu.
Auf meine Rückfrage auf der vetmed Wien und bei meiner Tierärztin wurde mir bestätigt, dass Lilly durchaus in dieses Muster passt und das eine schlüssige Erklärung dafür wäre, dass sie keine Welpen bekommen hat.
Fazit
Ich kann mit dieser Erkenntnis das Kapitel Zucht mit Lilly für mich abschliessen. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Deckung standen wohl von Anfang an denkbar schlecht. Eine hormonelle Behandlung, wie in oben erwähnter Studie ebenfalls untersucht, wäre für mich nie in Frage gekommen, auch dann nicht, wenn ich von dieser Studie früher erfahren hätte.
Ich bereue auch meine vergeblichen Versuche nicht, ich habe viel gelernt und nicht zuletzt auch das familiäre Umfeld von Élaine auf diesem Wege kennengelernt. Sollte ich wieder einmal eine Hündin haben, die einen extrem kurzen Zyklus und/oder extrem kurze Läufigkeit hat, würde ich aber weniger lange an einem Wurf arbeiten oder überhaupt darauf verzichten.
Quelle: Untersuchung zum Zusammenhang zwischen verkürztem Läufigkeitsintervall und dem Hypoluteinismus der Zuchthündin und zur Effektivität von Progesteronsubstitutionen, Friederike Stricker, Berlin 2008
