Lilly, mein Body Guard

Portrait von Lilly, Irish Wolfhound

Foto Shooting zu zweit. Im Alter von 5 Jahren konnte sie auch schon mal gelassen sein.

Stříbrný potok Liliana

*14. 7. 2007 – † 10. 3. 2014 (Lymphom)
Int. Coursing-Champion, Platziert bei allen Teilnahmen an einer Coursing EM (2009, 10 und 11)
Ihr Pedigree

Ich wollte einen Welpen, wenn Enya 7 Jahre alt wäre. Als Enya 5 war, begann ich Züchter zu suchen. Egal, wo ich mich auf einen Welpen anmeldete – die jeweilige Hündin beschloss, keine Welpen zu bekommen. Gerade als ich wieder erfahren hatte, dass eine gedeckte Hündin leer geblieben war und ich schon aufgeben wollte, erfuhr ich von Lilly.

Ein Junghund aus vierter Hand

Die erste Besitzerin, eine Züchterin in Deutschland, hatte sie an einen Privatplatz in die Schweiz abgegeben, weil Lilly ein P1 fehlte. Die Privatleute waren mit der temperamentvollen Hündin nicht klar gekommen und eine andere Züchterin hatte sie nach Österreich geholt. Aber auch sie wollte die Hündin nicht behalten, weil sie nicht „schön genug“ für Ausstellungen war. Mit nur 8 Monaten sollte sie den vierten Platz bekommen und endlich bleiben dürfen.

Ich erinnere mich daran, wie sie am ersten Tag nicht ins Auto einsteigen wollte, sondern beim Haus blieb. Sie wollte nicht schon wieder weggebracht werden. Dabei wollte ich ihr eine Freude machen und Freunde mit Irish Wolfhounds besuchen, mit denen sie spielen konnte. Bei den Freunden begann sie erst mit den anderen Hunden zu spielen, als ich meine Jacke ausgezogen hatte und damit signalisierte, dass ich bleiben würde. Als ich wieder zur Jacke griff, stand Lilly schon beim Auto um ja nur nicht bleiben zu müssen.

Mein Body Guard

Lilly war keine einfache Hündin und schon bald war ich so weit, dass ich sie niemand anders „in die Hand gab“. Sie war sportlich, aktiv, kräftig, stur und wenn ihr jemand blöd kam, war sie bereit, sich zu stellen. Obwohl ich nie mit ihr Schutz auch nur antrainiert hätte, wusste ich: Mit diesem Hund an meiner Seite braucht auch mir niemand blöd kommen. Sie war mein Body Guard und begleitete mich durch eine Zeit, die ich am Ende ihres Lebens als schwerste meines bisherigen Lebens bezeichnete.

2012 verlor sie innerhalb von 6 Wochen beide Rudelmitglieder und war plötzlich Einzelhund. Mit Viola kam sie nicht wirklich gut aus. Aber Jamaica war ihre beste Freundin und ich hatte den Eindruck, dass sie mit ihr eine Welpenzeit nachholte, die sie in der Form wohl nicht gehabt hatte. Als ich mit Lilly beim Decken in Prag war, hetzte Jamaica sich zu Tode und war unter der Erde, bevor wir aus Prag zurück waren. Sie lief sofort zu ihrem Grab wo ich noch hoffte, im Haus von ihr Abschied nehmen zu können.

Dieser 15. Juni 2012 war eine Zäsur für alle. Lilly wurde mit diesem Tag zu einer ruhigeren, eigenbrötlerischen Hündin. Der 5. Deckversuch blieb erfolglos und im Jänner 2013 brach sie von einem Tag auf den anderen gesundheitlich ein. 15 Monate auf und ab begannen, ich gewöhnte mir an, jeden Morgen als erstes mit Lilly alleine Spazieren zu gehen, weit abseits von anderen Menschen und Hunden. Das Tempo war ihrer jeweiligen Tagesverfassung angepasst. Ich lernte die Weinberge hinter Senftenberg in der Zeit intensiv kennen.

Mein Mann veränderte sich nach dem 15. Juni 2012 in einer Art und Weise, die ich fünf Jahre später nicht mehr bereit war, weiter zu ertragen. Auch ich veränderte mich, fing an, Grenzen zu ziehen.

Vorbereitet ist man trotzdem nicht …

Im März 2014 ging dann alles ganz schnell. Bei unserem Morgenspaziergang legte Lilly sich so richtig ins Zeug, lief eine wirklich grosse Runde, ich sah sie einmal in ihrem wunderbaren gestreckten Galopp den Horizont entlang laufen und hatte den Gedanken, dass das unser letzter Spaziergang wäre. Ich verlor sie aus den Augen und als ich gerade überlegte, ob ich sie jetzt suchen gehen müsse, hörte ich sie hinter mir schwer atmend angaloppieren. Ein Ohr blutete, es sah aus, als wäre sie durch eine Dornenhecke gelaufen. Glücklich und völlig ausser Atem ging sie mit mir zum Auto. Den Rest des Tages schlief sie und am nächsten Morgen war ihr rechter Hinterlauf übel angeschwollen und sie lief auf drei Beinen.

Ein paar Tage später wusste ich, dass es Zeit war, sie gehen zu lassen. Als ob sie wusste, dass es für mich ein Zeichen ist, wenn ein Hund nicht mehr frisst, würgte sie ihr Frühstück runter, um es zwei Minuten später im Garten raus zu kotzen. Eine viertel Stunde, bevor die Tierärztin zu uns ins Haus kam, lief sie wie verrückt mit Louise ums Haus. Danach ging sie wieder auf drei Beinen. Vollgepumpt mit drei verschiedenen Schmerzmitteln …

Die Tierärztin bestätigte mir, dass Amputation die einzige Alternative zur Euthanasie wäre und das kam für mich nicht in Frage. Lilly, mein Body Guard, war noch nicht bereit zu gehen. Aber sie hätte, wie der tapfere Ritter im Monty Python Film, ohne Beine weiter für mich gekämpft … Es war eine Vernunftentscheidung, sie von ihren Schmerzen zu erlösen. Es war eine Entscheidung, die mir bis heute Tränen in die Augen treibt, wenn ich daran denke.

Für zwei Züchterinnen war sie nicht gut genug für die Zucht. Und ihre eigene Züchterin hat eine Schwester behalten. Für mich war Lilly der Inbegriff eines Irish Wolfhounds. Kompakt, muskulös, kraftvoll galoppierend, triebig, selbstbewusst und korrekt im Umgang mit anderen Hunden. Mir hat sie vertraut und gefolgt. Für eine Hündin, die so viele Stationen durchlaufen hatte, bevor sie zu mir kam, keine Selbstverständlichkeit.

Mit Lilly habe ich den Reiz von Coursings kennengelernt, mit Lilly bin ich regelmässig laufen gegangen. Wenn sie ihren Kopf durchsetzen wollte, konnte sie mich auch fordern. Und es war ein Genuß, sie laufen zu sehen. Seit unserem letzten Coursing im November 2012 vermisse ich das. Ich hab die beiden Läufe auf Video und bis heute nicht gesehen …

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